Mehr Mitglieder, aber oft fehlen die Übungsleiter Uwe Steuber will die Ausbildung stärken
Bei der aktuellen Zählung des Landessportbunds Hessen, der Bestandserhebung, meldeten die Vereine mit Stichtag 1. Januar 69.700 Mitglieder nach Frankfurt, ein Plus von 670 Mitgliedern oder fast genau einem Prozent im Vergleich zum Jahr davor.
„Es gibt immer mehr Menschen, die den Weg zum organisierten Sport finden“, freut sich der Sportkreis-Vorsitzende Uwe Steuber über das dritte Plus nacheinander. Waldeck-Frankenberg liegt damit im Trend. Der Landessportbund ist im Jahresvergleich ebenfalls weitergewachsen. Mit exakt 2.296.906 Mitgliedschaften, rund 32.000 mehr (+ 1,4 Prozent) als im Vorjahr, stellte der LSBH den vierten Rekord in Folge auf. 7309 Vereine gehören dem LSBH an.
301 Klubs sind aus Waldeck-Frankenberg, fünf weniger als bei der letzten Erhebung. Damit setzt sich das „Klubsterben“ fort – in den vergangenen fünf Jahren verlor der heimische Sportkreis 14 Vereine. Im Zehn-Jahres-Vergleich sind es mehr als doppelt so viele (-9,3 Prozent). „Die Vereine strukturieren sich um, Einspartenvereine wickeln sich öfter ab“, sagt Sportkreischef Steuber dazu. Die Mitglieder kämen bei größeren Klubs unter, worin Steuber Vorteile sieht: „Größere Vereine können oft bessere Angebote machen.“
Allerdings hat die Medaille auch eine andere Seite: Gerade mitgliederstarke Vereine sehen sich häufiger gezwungen, für einzelne Sparten einen Aufnahmestopp zu verhängen. Betroffen sind davon oft genug Kinder – eine stark wachsende Gruppe. 12.963 Mädchen und Jungen bis 14 Jahre meldeten die Vereine aktuell, fast 500 mehr als ein Jahr zuvor.
Den Klubs fehlt es an Übungsleiter*innen und Trainer*innen – Steuber sieht in der Reduzierung des Fachkräftemangels eine zentrale Aufgabe für den Sportkreis. „Wir müssen die Ausbildung bekannter machen und das Übungsleiterwesen ausbauen“, sagt er. Es sei ein Kernpunkt der Arbeit, mehr Übungsleiter zu gewinnen.
Untätig war der Sportkreis auch bisher nicht. Seit mehr als sechs Jahren übernimmt er 50 Prozent der Kosten für Lizenzausbildungen im Gesundheits- und Rehasport sowie der Sportjugend Hessen für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche. Der Landkreis zahlt für den ersten Erwerb einer Lizenz einen Zuschuss in Höhe von bis zu 100 Euro.
Leichte Rückgänge verzeichneten die Vereine in wenigen Altersgruppen. Auffällig ist das Minus lediglich bei den 41- bis 60-Jährigen. Statt 17.126 sind in dieser Kohorte noch 16.833 Frauen, Männer und Personen, die sich als divers identifizieren, gemeldet.
Mit diesem Negativtrend sind die heimischen Vereine nicht allein. Auch im Landessportbund insgesamt weist diese Gruppe die größten Verluste aus. „Insbesondere für Spielsportarten mit festen Trainings- und Spielzeiten fehlt dann häufig die Zeit – oder der Gesundheitszustand lässt Kontaktsport nicht mehr zu“, wie man aus Vereinsberatungen wisse, erklärt LSBH-Präsidentin Juliane Kuhlmann. Mit Angeboten im Bereich Fitness, Outdoor oder Gesundheit könne man aber gegensteuern. „Es lohnt auf jeden Fall, in die Mitglieder ab 40 Jahre zu investieren, denn sie sind auch fürs Ehrenamt unabkömmlich“, so Kuhlmann.
Die größte Gruppe bei den Mitgliedschaften bilden in Waldeck-Frankenberg mit 17.800 nach wie vor die „Ü60“. Nur ganz wenig zugunsten der Frauen und Mädchen verschoben hat sich im Vergleich das Geschlechterverhältnis. Aktuell sind 40.897 Mitglieder männlich und 28.524 weiblich; hinzu kommen fünf diverse Mitglieder. Beim Organisationsgrad, also dem Verhältnis von Mitgliedschaften zur Zahl der Einwohner, rangiert Waldeck-Frankenberg mit 45 Prozent auf Platz zwei hinter dem Sportkreis Vogelsberg (rund 47 Prozent) und vor Limburg-Weilburg (44 Prozent).
Tanzsport mit dem größten Zuwachs
Die Mitglieder der Waldeck-Frankenberger Sportvereine waren waren wie im Vorjahr in 38 Fachverbänden und dem Bereich Freizeitsport des Landessportbunds Hessen organisiert. Kein Standbein mehr in Waldeck-Frankenberg hat der Hessische Cricket-Verband, bei dem im Vorjahr noch sechs Mitglieder gemeldet waren.
Neu im Ranking taucht Pétanque auf, ein den Boulespielen zugeordneter Sport, der 19 Mitgliedschaften im Sportkreis vorweist – und mit Tauchsport (25) sowie American Football (33) zu den kleinsten Verbänden im Land an Eder, Diemel und Twiste zählt.
Die Platzhirsche sind die gleichen wie seit Jahrzehnten. Der Fußball steht mit 22.253 Mitgliedschaften, 68 weniger als im Jahresvergleich, nach wie vor unangefochten an der Spitze. Etwas stärker verloren– von 17.464 auf 17.183 – hat der Turnverband, ebenso das Sportschießen (6090 statt 6232).
Auf der Gewinnerseite stehen von den großen Fünf dagegen die Leichtathletik (plus 363) und der Pferdesport (plus 125). Den prozentual größten Sprung dürfte der Tanzsport verzeichnet haben, die Zahl der Mitgliedschaften stieg um mehr als 50 Prozent auf 670. Umgekehrt büßte Golf mehr als ein Fünftel seiner Mitgliedschaften ein.
Die Top 15: 1. Fußball 22.253 Mitgliedschaften; 2. Turnen 17.183; 3. Sportschießen 6090; 4. Leichtathletik 4268; 5. Pferdesport 3616; 6. Tennis 2632; 7. Tischtennis 1831; 8. Handball 1869; 9. Skisport 1527; 10. Behinderten- und Rehasport 1363; 11. Golf 857; 12. Schwimmen 830; 13. Badminton 722; 14. Tanzsport 670; 15. Volleyball 646.






