Fast 2,3 Millionen Mitglieder in 7.309 Vereinen Landessportbund mit neuem Mitglieder-Hoch
Zum Stichtag 1. Januar 2026 gehörten den 7.309 hessischen Sportvereinen exakt 2.296.906 Mitglieder an, rund 32.000 mehr (+ 1,4 Prozent) als im Vorjahr und 10,9 Prozent mehr als 2016. „Das zeigt einmal mehr: Hessens Sportvereine sind und bleiben attraktiv – und erweisen sich bei allen gesellschaftlichen Veränderungen als erstaunlich resilient“, bilanziert lsb h-Präsidentin Juliane Kuhlmann.
Letzteres sei aber kein Selbstläufer: „Wir alle kennen die Herausforderungen, mit denen unsere überwiegend ehrenamtlich geführten Vereine kämpfen – von überbordender Bürokratie über marode Sportstätten bis hin zum Mangel an Ehrenamtlichen. Als Dachverband appellieren wir deshalb an die Politik, gemeinsam mit uns an einer weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen zu arbeiten.“ Dass rund ein Drittel aller Hessinnen und Hessen in einem Sportverein organisiert und der Landessportbund damit die größte Personenvereinigung des Landes sei, ist aus Kuhlmanns Sicht dabei ein starkes Argument. „Unsere Sportvereine werden gebraucht: gestern, heute und in Zukunft“, interpretiert die lsb h-Präsidentin das Ergebnis der jüngsten Bestandserhebung. „Sie übernehmen – gerade in diesen schwierigen Zeiten – eine wichtige Rolle für das Gemeinwohl.“
Die Zahl der Vereine ist dabei seit Jahren rückläufig. Die Veränderung beträgt -0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und -5,4 Prozent gegenüber 2016. Beim Dachverband beobachtet man diese Entwicklung, sieht sie aber auch gelassen: „Die Daten zeigen nicht, dass einzelne Sportarten oder Regionen ausbluten. Und wenn kleinere Vereine sich zusammentun, um Synergien zu bündeln, ist das durchaus sinnvoll“, so Kuhlmann. Großvereine mit mehr als 1.000 Mitgliedern sind noch immer in der Minderheit, nur 351 (4,8 Prozent) liegen über dieser Marke. Am stärksten vertreten sind Vereine mit weniger als 200 Mitgliedern (4.481 Vereine, 61,3 Prozent). Zwischen 200 und 499 Mitglieder haben 1.735 Vereine (23,7 Prozent). Durchschnittlich gehören einem hessischen Verein 314 Mitglieder an – das sind 46 mehr als vor zehn Jahren. „Weniger und dafür größere Vereine – dieser Trend ist in ganz Deutschland zu beobachten“, so die Landessportbund-Präsidentin.
Geschlechterverhältnis weitgehend stabil
Noch immer ist der Vereinssport eher männlich geprägt: Obwohl der Frauenanteil gegenüber 2016 um fast einen Prozentpunkt gestiegen ist (2026: 41 Prozent), stellen die Männer mit 58,6 Prozent noch immer die Mehrheit. Für die aktuelle Bestandserhebung wurden außerdem 769 diverse Personen sowie 8.949 Personen ohne Geschlechtseintrag gemeldet. Die letzte Zahl betrachtet man beim Landessportbund jedoch als wenig aussagekräftig: „Der genaue Blick auf die Statistik zeigt, dass einzelne Vereine ihren Mitgliedern bei der Erhebung einfach keinem Geschlecht zugeordnet haben, diese Zahl ist also irreführend“, schreibt der Verband.
Immer mehr jüngere Kinder aktiv
153.289 Kinder bis 6 Jahre (+1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und 411.977 Kinder von sieben bis 14 Jahren (+3,1 Prozent) gehörten den hessischen Vereinen zum Stichtag an. Gegenüber 2016 haben vor allem die Allerjüngsten zugelegt, und zwar um satte 36,3 Prozent. „Wir beobachten, dass neben den klassischen Angeboten wie Kinderturnen inzwischen zahlreiche Verbände Angebote für die Jüngsten im Programm haben und damit auch punkten können“, so Kuhlmann. Entsprechend hoch liegt der Organisationsgrad bei den Kindern: Im Verhältnis zu den jüngsten Bevölkerungszahlen gehören rund 76 Prozent der 7- bis 14-Jährigen und 60 Prozent der bis Sechsjährigen einem Sportverein an.
„Die hessischen Vereine leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur motorischen und sozialen Entwicklung von Kindern. Das ist aber nur möglich, wenn geeignete Sporträume und eine ausreichende Anzahl an gut ausgebildeten Übungsleiter*innen zur Verfügung stehen“, so Kuhlmann. Aus- und Fortbildung sei deshalb eine wichtige Aufgabe des Landessportbundes und seiner Organisationsteile. Mit niedrigschwelligen Basisqualifikationen, einem Mix aus Präsenz- und Online-Unterricht und der passgenauen Ansprache verschiedener Zielgruppen habe man sich dabei in den letzten Jahren noch besser aufgestellt.
Das gilt nicht nur für den Kinder- und Jugendbereich, sondern insbesondere mit Blick auf Angebote im Bereich Kraft, Fitness und Gesundheitssport auch für Ältere, denn die Zahl der Älteren steigt kontinuierlich an. Entsprechend hat die Zahl der Vereinsmitglieder über 60 Jahre vom Vorjahr um 4,1 Prozent bei den Frauen und um 2,5 Prozent bei den Männern zugenommen. Auch in der Altersklasse 27 bis 40 Jahre gab es leichte Zuwächse um jeweils rund ein Prozent. Leichte Rückgänge gab es bei den 19- bis 26-Jährigen (-1,4 Prozent) und bei den 41- bis 60-Jährigen (-0,4 Prozent). Vor allem um letztere Gruppe müsse man sich laut Landessportbund kümmern, denn hier zeigen sich auch im Zehn-Jahres-Vergleich die größte Negativ-Veränderung (-5,4 Prozent). „Es ist eine anstrengende Lebensphase mit vielen Verpflichtungen“, weiß Kuhlmann aus eigener Erfahrung. „Insbesondere für Spielsportarten mit festen Trainings- und Spielzeiten fehlt dann häufig die Zeit – oder der Gesundheitszustand lässt Kontaktsport nicht mehr zu“, wie man aus Vereinsberatungen wisse. Mit Angeboten im Bereich Fitness, Outdoor oder Gesundheit könne man aber gegensteuern. „Es lohnt auf jeden Fall, in die Mitglieder ab 40 Jahre zu investieren, denn sie sind auch fürs Ehrenamt unabkömmlich“, sagt die Landessportbund-Chefin.
Sportkreise mit starken Unterschieden
Sportkreise fungieren als Bindeglieder zwischen den Vereinen vor Ort und dem Dachverband. Wie unterschiedlich ihre Bedingungen dabei sind, zeigt die Statistik ebenso: So nimmt der Sportkreis Frankfurt mit seinen 356.094 Mitgliedschaften eine Spitzenposition ein. Setzt man Mitgliedschaften und Einwohner ins Verhältnis, ergibt sich ein Organisationsgrad von 47,5 Prozent. Es ist jedoch zu vermuten, dass auch viele Nicht-Frankfurter in der Mainmetropole aktiv bzw. gemeldet sind.
Die nächstgrößeren Sportkreise sind Darmstadt-Dieburg (166.729 Mitgliedschaften), Main-Kinzig (139.153), Region Kassel (135.190) und Offenbach (120.602). Die kleinsten sind Werra-Meißner (36.492), Odenwald (37.136) und Vogelsberg (47.682). Beim Organisationsgrad sieht es hingegen anders aus: Frankfurt ausgeklammert, erreichen hier die Vereine in den ländlich geprägten Sportkreisen Vogelsberg (rund 47 Prozent), Waldeck-Frankenberg (45 Prozent), Limburg-Weilburg (44 Prozent) und Hersfeld-Rotenburg (43 Prozent) die meisten Menschen.
Gemessen an der Zahl der zu betreuenden Vereinen befindet sich der Sportkreis Main-Kinzig (536 Vereine) auf dem Spitzenplatz, gefolgt von den Sportkreisen Region Kassel (446), Wetterau (433), Lahn-Dill (425) und Frankfurt (416). Die im Mittel kleinsten Vereine gibt es in den Sportkreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner mit durchschnittlich 179 Mitgliedern pro Verein. Den krassen Kontrast bildet Frankfurt mit durchschnittlich 856 Mitgliedern (ohne Eintracht Frankfurt: 487) und Darmstadt-Dieburg (407).
Im Zehn-Jahres-Vergleich zeigt sich, dass die Vereinszahl in allen Sportkreisen zurückgegangen ist, am schwächsten in Rheingau-Taunus (-0,8 Prozent) und Main-Taunus (-1,4), am stärksten in den eher ländlichen Bereichen Werra-Meißner (-11,3), Schwalm-Eder (-9,7), Waldeck-Frankenberg (-9,3), aber auch in den wachsenden Regionen Bergstraße (-8,3) und Groß-Gerau (-7,3). „Hier zeigt sich, dass die Gründe für die Auflösung von Vereinen vielfältig sind. Umso wichtiger ist es, dass wir mit den Sportkreisen wichtige Akteure vor Ort haben, die die Entwicklungen genau beobachten und einordnen können“, sagt Landessportbund-Präsidentin Kuhlmann.
Sportverbände: Große Breite mit doppelter Spitze
Jeweils über 2.000 Vereine hat man in Hessen zur Auswahl, wenn man Fußball spielen oder eine Sportart des Turnverbandes ausüben möchte. Rund 640.000 Personen (Fußball) bzw. 625.000 (Turnen) machten davon Gebrauch, wie die Statistik zum 1. Januar 2026 zeigt. Der Hessische Fußball- und der Hessische Turnverband liegen damit weiter unangefochten an der Spitze der Fachverbände. Der Turnverband legte in diesem Zeitraum um +3,0 Prozent zu. Der Männeranteil ist beim Fußball mit 85 Prozent geringer als 2016 (90 Prozent), im Turnen stieg er um knapp 3 Prozentpunkte auf 32,6 Prozent. Zusammen stellen die beiden Spitzenreiter fast 54 Prozent aller Mitgliedschaften der dem Landessportbund Hessen angeschlossenen Vereine.
Hinter ihnen folgen mit Abstand Tennis (136.250 Mitgliedschaften, +1,8 Prozent gegenüber Vorjahr), Leichtathletik (99.939, +0,4 Prozent) und Schießen (96.201, +0,1 Prozent). Die kleinsten Verbände sind Bob und Schlitten (111, -15,3 Prozent), Moderner Fünfkampf (281, +121,3 Prozent) und Billard (328, -5,5 Prozent), wobei die geringen absoluten Zahlen die prozentualen Veränderungen hier relativieren. Insgesamt haben von den 60 Fachverbänden unter dem Dach des lsb h im vergangenen Jahr 37 Verbände Mitglieder hinzugewonnen. In absoluten Zahlen zählten neben den „großen Zwei“ Tanzen (+2.805), Bergsteigen (+2.874) und Behinderten- und Rehasport (1.451) zu den Gewinnern, größere Verluste gab es bei Schwimmen (-3.663) und Tischtennis (-1.395).






