Tauchen / Frauen Mehr als nur Frauensache

Zum zweiten Mal fand am 16. August in Schönbach das von Kerstin Krautschneider und Ines Wanke angebotene Tauchseminar „Von Frauen für Frauen“ statt. Der besondere Zuschnitt der Veranstaltung auf Taucherinnen trägt den spezifischen Bedürfnissen von Frauen im Tauchsport Rechnung. Dabei bedeutet Frauentauchen keineswegs, dass Frauen grundsätzlich anders tauchen. Vielmehr schafft ein solches Seminar einen Raum für Themen und Erfahrungen, die in gemischten Gruppen häufig weniger Aufmerksamkeit erhalten oder gar nicht erst angesprochen werden.

Dazu gehören gesundheitliche und sicherheitsrelevante Fragen ebenso wie ganz praktische Probleme rund um die Ausrüstung; nicht weniger wichtig ist der Erfahrungsaustausch untereinander. Dabei öffnet sich ein breites Spektrum: Es reicht von Ausrüstung und Körperbild über Sicherheit und Selbstständigkeit bis hin zu konkreten Erfahrungen und Situationen unter Wasser. Kerstin und Ines gelang es, diese Themen den acht Teilnehmerinnen auf erfreulich niedrigschwellige, pragmatische und zugleich fachlich fundierte Weise nahezubringen.

Im Mittelpunkt des Workshops standen vor allem Ausrüstung und Sicherheit. Der erste theoretische Block widmete sich deshalb sehr konkret der individuellen Tauchausrüstung. Mit viel Geduld und Fachkenntnis überprüften die beiden Seminarleiterinnen die jeweiligen Konfigurationen der Teilnehmerinnen und gaben zahlreiche Hinweise zu möglichen Verbesserungen. Dabei wurde schnell deutlich, wie wichtig eine Ausrüstung ist, die nicht nur technisch funktioniert, sondern tatsächlich zum jeweiligen Körper passt.

Gerade hier spielen weibliche Anatomie, Körpergröße und Gewichtsverteilung eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Jackets und Wings wurden vorgestellt und hinsichtlich ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile diskutiert. Auch die Schlauchführung erwies sich als keineswegs nebensächliches Detail: Standardisierte Schlauchlängen und Konfigurationen sind insbesondere für kleinere Taucherinnen nicht immer optimal. Eine individuell angepasste Ausrüstung erhöht deshalb nicht nur den Komfort, sondern kann wesentlich zu Sicherheit und Handlungssouveränität unter Wasser beitragen.

Einen großen Raum nahmen auch Werkzeug und kleinere technische Arbeiten an der eigenen Ausrüstung ein. Eine Tätigkeit, die – wie einige Teilnehmerinnen durchaus selbstironisch einräumten – bislang gern verdrängt oder an den jeweiligen Partner delegiert worden war. Geduldig wurden die wichtigsten Werkzeuge vorgestellt und ihre Anwendung praktisch eingeübt. Schrauben, Nachjustieren und kleinere Veränderungen an der eigenen Konfiguration veränderten sich schnell von abstrakten technischen Aufgaben zu etwas, das man selbst bewältigen kann. Für manche Teilnehmerinnen war dies eine neue Erfahrung und oft mit einem unmittelbaren Erfolgserlebnis verbunden. Sollte das Beautycase vielleicht doch gegen die Werkzeugkiste ausgetauscht werden? Zumal Ines ein wunderbares, gelbes Exemplar vorführte.

Wie wichtig die genaue Kenntnis der eigenen Ausrüstung ist, zeigte sich anschließend in den beiden Tauchgängen, bei denen das Sicherheitstraining im Mittelpunkt stand. Die zuvor vorgenommenen Überprüfungen und Veränderungen ließen sich nun unter realen Bedingungen erproben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Sicherheit beim Tauchen nicht allein eine Frage festgelegter Übungen ist. Sie setzt voraus, die eigene Ausrüstung zu kennen, ihrer Funktion zu vertrauen und sie auch in ungewohnten Situationen selbstständig beherrschen zu können.

In der Mischung aus Pragmatismus, Hilfsbereitschaft und Souveränität   lag die besondere Stärke dieses Seminars. Frauentauchen braucht Räume, in denen Frauen ihre Erfahrungen austauschen, Fragen selbstverständlich stellen und technische, gesundheitliche wie körperbezogene Aspekte des Tauchens offen thematisieren können. Solche Angebote sind keine Abgrenzung vom gemeinsamen Tauchsport, sondern eine wichtige Ergänzung: Sie stärken Selbstständigkeit, Sicherheit und Selbstvertrauen und zeigen zugleich, wo sich der Tauchsport weiterentwickeln sollte. Dazu gehört, die Erfahrungen und die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen von Frauen bei Ausrüstung, Ausbildung und Sicherheitskonzepten stärker mitzudenken. Ein Tauchsport, der sich diesen Bedürfnissen öffnet, wird letztlich nicht nur frauenfreundlicher, sondern für alle zugänglicher und sicherer.

Helen Wütscher
Verantwortlich für diesen Inhalt: Hessischer Tauchsportverband e.V.

Mehr zum Thema



X