Erste Hilfe-Auffrischungskurs Struktur rettet Leben
Der Sportkreis Main-Taunus e. V. hat erstmals für Übungsleiterinnen, Übungsleiter und Trainer seiner Mitgliedsvereine keinen klassischen Erste-Hilfe-Grundkurs, sondern einen gezielten Erste-Hilfe-Auffrischungskurs angeboten. Der ausgebuchte Kurs fand beim ASB in Eschborn statt und ermöglichte es, intensiver auf sportpraktische Fragestellungen und die konkreten Wünsche der Teilnehmenden einzugehen.
Geleitet wurde die Fortbildung von Nicolas Ewert vom ASB Westhessen. Im Mittelpunkt stand der im Oktober 2025 aktualisierte Leitfaden des European Resuscitation Council (ERC) mit dem sogenannten ABCDE-Schema. Dieses strukturierte Vorgehen hilft Ersthelfern, innerhalb weniger Sekunden das Wesentliche zu erkennen, Prioritäten zu setzen und auch in unübersichtlichen Notfallsituationen sicher zu handeln.
Wie Referent Nicolas Ewert erläuterte, gehe es in der Ersten Hilfe nicht nur darum, Leben zu erhalten, sondern durch eine klare Struktur auch möglichst viel Lebensqualität zu bewahren. Das zugrunde liegende Prinzip sei einfach, aber äußerst wirkungsvoll: „Treat first what kills first.“ Lebensbedrohliche Zustände werden sofort behandelt, bevor der nächste Schritt erfolgt.
Über allem steht dabei zunächst X – das Stoppen kritischer Blutungen. Anschließend wird das Schema systematisch abgearbeitet:
A – Airway (Sind die Atemwege frei?),
B – Breathing (Atmung überprüfen),
C – Circulation (Ist eine Herzdruckmassage erforderlich?),
D – Disability (Bewusstsein prüfen, gegebenenfalls stabile Seitenlage),
E – Exposure/Environment (Unfallstelle absichern, den Patienten vor Unterkühlung oder Hitze schützen und weitere Verletzungen erkennen).
Ergänzend wurden praktische Maßnahmen wie die Umlagerung in die stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und Beatmung, der Einsatz eines AED sowie das Anlegen eines Druckverbandes wiederholt. Dabei wurde auch besprochen, welche Lagerung in welcher Situation sinnvoll ist. Nicht immer ist die klassische Schocklage mit hochgelagerten Beinen richtig. Weitere Inhalte des Kurses waren das Erkennen von Schockzuständen, Schlaganfällen und Sepsis.
Der Main-Taunus-Kreis ist bundesweit die erste Sepsis-Vorreiter-Region. Sepsis, umgangssprachlich häufig als „Blutvergiftung“ bezeichnet, ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion und zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Auch im Main-Taunus-Kreis erkranken jährlich rund 1.400 Menschen daran, etwa 420 sterben infolge einer Sepsis. Die gute Nachricht: Ein Großteil der Fälle ist durch Prävention, frühes Erkennen und schnelle Behandlung vermeidbar. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass nicht nur medizinisches Fachpersonal, sondern auch Laien gut informiert sind. Weitere Informationen sind unter www.sepsis-mtk.de zu finden.
Die Teilnehmenden zeigten sich begeistert vom neuen Kursformat, vom ABCDE-Schema und von der praxisnahen Vermittlung durch den Referenten. Besonders aus dem Kreis der Übungsleitenden im Kinder- und Jugendbereich wurde der Wunsch geäußert, künftig auch einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Kindernotfälle anzubieten.
Alle teilnehmenden Übungsleiterinnen und Übungsleiter nutzten die Möglichkeit der kostenfreien Teilnahme durch Abgabe des vom Verein unterzeichneten Abrechnungsformulars für die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Unabhängig von den über den Sportkreis organisierten Kursen übernimmt die VBG grundsätzlich die Kosten für die Ersthelfer-Ausbildung von Übungsleitern und Trainern bei allen anerkannten Anbietern wie Deutschem Roten Kreuz, Maltesern, ASB, Johannitern oder der DLRG – sowohl für Grund- als auch für Auffrischungskurse.









