Austausch zwischen Sport und Politik Starker Sport und starke Kommune

Böhl rief und sie kamen

Sportkreisvorsitzender Hans Böhl hatte Vertreter der im Main-Taunus-Kreis vertretenen politischen Parteien CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und FWG sowie Sportvereinsvorsitzende zum Austausch vor den Kommunalwahlen eingeladen und sie kamen.

Erstmals in seiner 25jährigen Amtszeit als Sportkreisvorsitzender begrüßte Hans Böhl Vertreter aus Politik und Sport vor Kommunalwahlen zu einer Gesprächsrunde. Alle anwesenden Politiker kandidieren für die Wahlen zum Kreistag. Böhl dankte Christian Seitz (CDU), Albrecht Kündiger (GRÜNE), Bernhard Köppler (SPD), Thomas Völker (DIE LINKE) und Thomas Kandziorowsky (FREIE WÄHLER), die mit ihrer Anwesenheit und ihren Diskussionsbeiträgen und Informationen ihre Verbundenheit zum Sport ausdrückten.

Mit einer geschickten Begründung eröffnete Hans Böhl die Fragerunden mit dem ortsansässigen CDU-Bürgermeister Christian Seitz. Da die Veranstaltung in der Kreissporthalle auf Krifteler Gebiet stattfand, ging die erste Frage an ihn. „Wie sehen Sie die Entwicklung der Sportvereine in Ihrer Gemeinde?“ Seitz ging zu Beginn auf die Sport-Infrastruktur und die TuS Kriftel als größtem Sportverein ein. Damit sprach er ein Thema an, dass auch von den anderen Diskutanten aufgegriffen wurde. Es ging darum, dass schöne neue Sporthallen, wie beispielsweise die vor knapp 15 Jahren an der Konrad-Adenauer-Berufsschule eröffnete drei Felderhalle, zu einem deutlichen Mitgliederzuwachs bei der TuS Kriftel geführt hatte. Jetzt allerdings sei es eine Herausforderung für Kommunalpolitik und Vereine, für den weiter steigenden Bedarf Sportflächen zu finden. Seitz bedauerte beispielsweise, dass die Gemeinde Kriftel dem Softballverein Redwings keine Heimat in Kriftel bieten konnte. Kriftel habe drei Sporthallen, aber die Vereine bräuchten noch mehr Sporträumlichkeiten. Allerdings gebe es auch Grenzen.

Erwartungshaltung sei gestiegen

Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger berichtete von seinem Treffen mit Kelkheimer Sportvereinen, um mit ihnen und untereinander den Austausch zu fördern. Die CDU Kelkheim hatte eine Sportlandschaft im Außenbereich in Aussicht gestellt. „Daraus“, so Kündiger, „ist die Erwartungshaltung der Sportler extrem gestiegen.“ Einige Kelkheimer hätten sich bei ihm gemeldet, um die neuen Sportmöglichkeiten schon in die Planung ihrer sportlichen Spiele für das nächste oder übernächste Jahr einplanen zu können. Allerdings sei solch ein Projekt aus vielen Gründen - und besonders der finanziellen - schwierig. Kündiger machte deutlich, dass „keine Kommune außer Eschborn, vielleicht auch Sulzbach, einen ausgeglichenen Haushalt hat.“ Obwohl Kelkheim drei Großsporthallen hat, fehle eine Halle mit größerer Tribüne, um den Zuschauern der hochklassig spielenden Handballmannschaften eine gute Sicht auf das Spielgeschehen zu geben. Auch an die neuen Sportarten, beispielsweise Flagfootball, Beach-Handball, Padel, müsse genauso gedacht werden, wie an die Sanierungen der Fußballplätze, die in die Jahre gekommen sind oder Probleme mit dem Kunststoffgranulat haben. Eine Prioritätenliste sei aufgestellt worden.

Der frühere Stadtrat Bernhard Köppler führte für die Kernstadt Hofheim aus, die mehreren Stadteile hat, dass einige Sportgelegenheiten auch vom Kreis und den Bürgern des Kreises genutzt würden, wie beispielsweise der Sportpark Heide“. Köppler dankte den Verantwortlichen, die sich für die Kinder und Jugendlichen im Sport einsetzen. „Fairness und wie gehe ich miteinander um, sowie das Engagement der Sportvereine in der Breite sind sehr wichtig für die Kommunen.“

Da der Betrieb von Hallenbädern für Städte und Gemeinden kaum noch finanzierbar sei, begrüßte auch er den Bau des Kreishallenschwimmbades, das hoffentlich dieses Jahr in Betrieb gehen wird.

Verfassungsrang und freiwillige Unterstützung

Der stellvertretende Kreistagsvorsitzende und Liederbacher Thomas Kandziorowsky führte aus, dass der Sport seit 2002 Verfassungsrang in Hessen habe und in Liederbach die freiwillige Unterstützung der Sportvereine in derselben Höhe geplant sei, wie im vergangenen Jahr. Um die Sportvereine zu unterstützen, würde an einem Sportstättenplan gearbeitet, der in Abstimmung mit den Vereinen erstellt werde. Auch in Liederbach müsse der Kunstrasenplatz saniert werden. Die Ausgaben dafür würden schon im Haushaltsplan stehen. Die Anfrage auf Förderung vom Bund sei erfolgt. „Die Politik in Liederbach ist sich bewusst, dass Sportler und Eltern ordentliche Sportstätten erwarten,“ so Kandziorowsky. Möglichkeiten, die sich durch die Umwidmung von Gewerbefläche in Sportfläche ergeben, würden im Zusammenhang mit Änderungen des Flächennutzungsplans diskutiert.

Mitglied des Kreistags und Sprecher der Linken Thomas Völker erinnerte an die gute Zusammenarbeit zwischen MTK-Behindertenbeirat und Sportkreis bei der Finanzierung des Sporterlebnistages Inklusion in Kriftel im letzten Jahr. Auch er erlebe es als sehr wichtig, dass Mittel für den Erhalt der Infrastruktur bezüglich der Kreissport- und Schulturnhallen und des Kreishallenschwimmbads im Haushalt des Main-Taunus-Kreises verankert bleiben müssen. Es gehe auch darum, Vereine zu unterstützen, um im „Förderprogramm-Dschungel“ klarzukommen. Er forderte ebenfalls, dass Sportvereine stärker in den schulischen Ganztag integriert werden, um auch weiterhin Kindern aus ärmeren Familien an Sport und Bewegung teilhaben zu lassen.

Vereinseigene Sporthallen sind teuer

Kurt Kreytling, TG Schwalbach, und Michael Schwerdtfeger, TV Hofheim, berichteten von ihren vereinseigenen Sporthallen, deren Finanzierung und Unterhaltung Kosten verursachen, die auch die Mitgliedsbeitragsgestaltung beeinflussen. Beide wünschen sich von ihren Städten, dass die Sportvereine bei der Entwicklung der Sportentwicklungspläne verlässlich eingebunden werden.

Aytül Otters, TG Bad Soden, die den Bau und die Nutzung der Sporthalle an der Otfried-Preußler-Schule durch Abteilungen ihres Vereins sehr schätzt, hätte es auch als wertvoll erachtet, wenn bei der Planung der Halle, die besonderen Bedarfe des Vereins bei den hochklassigen Volleyball-Spielen noch stärker berücksichtigt worden wären.

Gelobt wurde von den Sportvereinsvorsitzenden, dass die Nutzung der Schulsportstätten weiterhin kostenlos sei. Allerdings würden schon heute für viele Sportangebote lange Wartezeiten für Neuaufnahmen oder sogar ein Aufnahme-Stopp bestehen. Um die festgestellten reduzierten Bewegungszeiten der Bevölkerung wieder zu erhöhen, müssen neue Möglichkeiten gefunden werden, weitere Sportflächen zu entwickeln und bestehende optimal zu nutzen. Der Ausbau der schon bestehenden Kooperationen zwischen verschiedenen Sportvereinen zur gemeinsamen Nutzung von Trainingsstätten und dem Einsatz von Trainern sei zwar auch ein möglicher Weg. Allerdings sei dies immer personenabhängig und biete oftmals nur mittelfristige Lösungen.

„Der Sportgipfel in Kelkheim ist eine tolle Idee gewesen, sollte unbedingt zeitnah fortgeführt werden“, gab Hans-Jürgen Henkel, TuS Hornau, dem Kelkheimer Bürgermeister mit auf den Weg. Auch sprach er sich, wie andere Vorstandskollegen, für einen Abbau der Bürokratie aus. Wenn schon Leute gefunden würden, die sich ehrenamtlich im Vorstand engagieren, möchten sich diese nicht auch noch als Steuerberater betätigen. Auch um junge Leute zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu motivieren, wäre es wichtig, noch schneller von den Karteikarten zu einer modernen Mitgliederverwaltung einschließlich Kommunikation zu kommen. Dazu seien auch erhebliche finanzielle Mittel nötig, um die digitalen Medien einzuführen und zu nutzen. Dr. Silke Niederhöfer, TV Lorsbach, ergänzte noch, dass die Bürokratie auch in den Bereichen Schankgenehmigung und Vorschriften des Gesundheitsamts für Bewirtschaftung von Jahr zu Jahr zunehme.

Sportvereine helfen sich gegenseitig

Als in Bad Soden eine Kita wegen eines Wasserschadens in die Hasselgrundhalle umziehen musste, halfen sich die Sportvereine in Bad Soden, indem sie in den anderen Sportstätten zusammenrückten und der TG Bad Soden Hallenzeiten anboten. Ebenso geschehen bei einem Wasserschaden in Langenhain. Über den MTK wurde vermittelt, dass andere Vereine Hallenzeiten für die Langenhainer zur Verfügung stellten.

„Herr Böhl, wenn Sie rufen, kommen wir immer!“

Der Sportkreisvorsitzende fasste abschließend die wichtigsten genannten Punkte zusammen: „Es werde im Main-Taunus-Kreis keine Veränderung in der Vereinsförderung geben. Die Vereine können die Schulturnhallen weiterhin kostenlos nutzen. Durch die Sport- und Ehrenamtsstelle im Kreishaus, die von Claudia Kuhn geleitet wird, sei die sehr gute Zusammenarbeit zum Wohle des Sports im Main-Taunus-Kreis hervorzuheben, so Böhl. Auch die kommunalen Vertreter seien sehr bestrebt, dass es keine Kürzungen für den Sport gibt. Die etablierten Vereine hätten natürlich immer noch weitere Wünsche, die dann den Weg in die jeweiligen Prioritätenlisten finden müssen. Er freute sich über den regen Austausch und kündigte an, diese Gesprächsrunde zwischen Politik und Sport auch ohne Kommunalwahlen gerne wieder zu veranstalten.         

Marion Polydore
Verantwortlich für diesen Inhalt: Sportkreis Main-Taunus


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