Sport-Coach-Treffen Was bewegt die Menschen vor Ort?
Schwimmen, Fußball, Boxen, Sprachförderung und jede Menge Engagement: Beim Sport-Coach-Treffen des Sportkreises Main-Taunus ging es um erfolgreiche Projekte, konkrete Herausforderungen und die Frage, was Menschen vor Ort wirklich in Bewegung bringt.
Zehn Kommunen beteiligen sich derzeit im Main-Taunus-Kreis am Landesprogramm „Sport integriert Hessen“. Beim jährlichen Treffen des Sportkreises kamen jetzt sieben Sport-Coaches und drei der neu hinzugekommenen Integrationsguides mit Geschäftsstellenleiterin und Integrationskoordinatorin Kathrin Zimmermann zusammen. Statt langer Vorträge standen die Erfahrungen der Teilnehmenden im Mittelpunkt: An verschiedenen Pinnwänden wurde gesammelt, was gut läuft, wo es hakt und was künftig gebraucht wird.
Schwimmen kommt an – wenn die richtigen Menschen dafür begeistern
Ein Beispiel: Schwimmkurse in den Sommerferien. In Bad Soden und Kelkheim konnten trotz der spät eingegangenen Förderbescheide kurzfristig Angebote auf die Beine gestellt werden. Die Erfahrungen zeigen, dass solche Angebote besonders dann gut angenommen werden, wenn es engagierte Menschen in den Communities gibt, die selbst begeistert sind und andere mitnehmen.
Auch beim Fußball ist die Nachfrage riesig. Fußball, Fußball, Fußball – so lässt sich die Situation in vielen Kommunen auf den Punkt bringen. Doch Sportvereine stoßen bei Sportflächen, Trainingszeiten und Übungsleitenden zunehmend an ihre Grenzen. Aufnahmestopps sind keine Seltenheit. Wo die Vermittlung in einen Verein nicht möglich ist, organisieren einzelne Sport-Coaches deshalb eigene Bewegungsangebote.
Und Fußball ist längst nicht die einzige Sportart, die gefragt ist: Auch beim Boxen übersteigt die Nachfrage das Angebot der derzeit drei entsprechenden Vereine im Main-Taunus-Kreis. In Kriftel wiederum gibt es gute Erfahrungen mit „Fit in Deutsch“, das Sport und Bewegung gezielt mit aktiver Sprachförderung verbindet.
Gesundheitscafés: Bewegung beginnt im Alltag
Wie sich Menschen auch jenseits klassischer Sportangebote für mehr Bewegung begeistern lassen, zeigen die aktuell in fünf Kommunen stattfindenden Gesundheitscafés für Frauen mit Migrationsgeschichte. Die dreiteiligen Veranstaltungsreihen werden von den WIR-Koordinatoren des Main-Taunus-Kreises organisiert und gefördert. In angenehmer Café-Atmosphäre geht es um Ernährung, Stress- und Ressourcenmanagement sowie Bewegung.
Integrationskoordinatorin Kathrin Zimmermann gestaltet die Einheiten zum Thema Bewegung mit kurzen Vorträgen und praktischen Übungen. Dabei geht es um die positiven Auswirkungen von Bewegung auf Körper und Psyche, kleine und leicht umsetzbare Schritte im Alltag sowie Motivation ohne Leistungsdruck. Ein Überblick über die Sport- und Bewegungsangebote vor Ort zeigt den Teilnehmerinnen außerdem, wo sie selbst aktiv werden können. Einfache Sprache, persönlicher Austausch und eine vertrauensvolle Atmosphäre machen das Angebot besonders niedrigschwellig.
Gute Kontakte machen den Unterschied
Ob Sportverein, Jugendtreff, Schul- und Sozialamt, Integrationslotsen oder Sozialarbeit: Die Sport-Coaches arbeiten mit ganz unterschiedlichen Partnern zusammen. In Schwalbach gibt es beispielsweise einen guten Austausch mit dem Marokkanischen Kulturverein.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Vernetzung noch besser werden kann. Nicht überall funktioniert die Zusammenarbeit mit der Sozialarbeit des Main-Taunus-Kreises oder den kommunalen Integrationsbeiräten, Ausländerbeiräten und Integrationskommissionen gleichermaßen gut. Auch innerhalb der Verwaltungen sollte das Wissen über das Landesprogramm stärker weitergegeben werden. Wechsel bei den zuständigen Mitarbeitenden können dazu führen, dass Abläufe und Anforderungen plötzlich anders gehandhabt werden – und für die Sport-Coaches zusätzliche Bürokratie entsteht.
Was jetzt gebraucht wird
Ganz oben auf der Wunschliste stehen Sportangebote für jüngere und ältere Männer, Fußballtraining für alle Altersklassen sowie zusätzliche Schwimmkurse. Für Letztere gibt es bereits konkrete Perspektiven: Stefanie Haunert, Sport Coach in Bad Soden und lizenzierte Schwimmtrainerin, berichtete von Gesprächen mit dem Main-Taunus-Kreis. Im neuen Main-Taunus-Bad sollen perspektivisch am Wochenende Schwimmkurse möglich werden, sobald der Regelbetrieb startet.
Eine wichtige Erkenntnis des Treffens: Sport-Coaches sind Brückenbauer. Sie kennen die Menschen vor Ort, bringen sie mit Vereinen und anderen Partnern zusammen und helfen dabei, Hürden abzubauen. Damit das gelingt, müssen sie selbst gut vernetzt und bekannt sein – in den Verwaltungen genauso wie in den Communities.
Der Austausch beim Sport-Coach-Treffen hat gezeigt, wie unterschiedlich die Wege in den einzelnen Kommunen sind – und wie viel voneinander gelernt werden kann. Gemeinsam lässt sich noch mehr bewegen.






